Wenn ich mehrere Wohnungen in kurzer Zeit anschauen würde, würde ich direkt danach fünf Stichpunkte ins Handy schreiben.
Licht gut. Schlafzimmer laut. Küche klein. Keller vorhanden. Bad okay.
Nach der dritten Besichtigung sieht sonst erstaunlich schnell jede weiße Zweizimmerwohnung im Kopf gleich aus.
Wenn für eine Wohnung sehr viele Bewerbungen eingehen, muss das Anschreiben wahrscheinlich keinen Lebenslauf als Roman ersetzen.
Wer zieht ein, was wird beruflich gemacht, warum passt die Wohnung und sind die Unterlagen vollständig?
Ein kurzer Text kann persönlicher sein als drei Absätze mit „zuverlässig, ruhig und ordentlich“.
Bei einer kurzen Besichtigung zu zweit fällt oft jeder Person etwas anderes auf.
Eine schaut auf Fenster und Raumaufteilung, die andere fragt nach Keller und hört den Verkehr draußen.
Danach merkt man, dass beide technisch dieselbe Wohnung gesehen haben und trotzdem mit unterschiedlichen Informationen herausgegangen sind.
Dreißig Menschen vor der Tür erzeugen automatisch das Gefühl, dass diese Wohnung etwas Besonderes sein muss.
Vielleicht ist sie aber einfach nur halbwegs bezahlbar und gerade online.
Die Zahl der Mitbewerber sagt viel über den Markt.
Über Licht, Lärm und Grundriss sagt sie erstaunlich wenig.
Bei einer Massenbesichtigung fühlt es sich schnell normal an, direkt den kompletten finanziellen Lebenslauf auf den Tisch zu legen. Datenschutzrechtlich gibt es aber verschiedene Phasen des Auswahlprozesses. Einkommens- und Bonitätsnachweise werden besonders relevant, wenn es konkret Richtung Mietvertrag geht – nicht automatisch für jeden Menschen, der einmal zehn Minuten durch die Wohnung läuft.
Ein angespannter Wohnungsmarkt verändert erstaunlich schnell, was plötzlich „normal“ wirkt. Geld überweisen, bevor man die Wohnung überhaupt gesehen hat, sollte trotzdem kein gewöhnlicher Schritt zur Besichtigung werden. Konkurrenzdruck ist kein Ersatz für gesunden Betrugsverdacht.
Bei zehn Minuten Besichtigung schaut jeder zuerst Küche, Bad und Schlafzimmer an. Drei Wochen nach dem Einzug wird plötzlich interessant, wo eigentlich das Fahrrad stehen darf, wie groß das Kellerabteil ist und wo der Müll hinmuss. Wohnungen bestehen erstaunlich oft aus Räumen, die nicht zur Wohnungstür gehören.
Wenn mir eine Wohnung wirklich wichtig wäre, würde ich die Straße gern noch einmal zu einer anderen Uhrzeit sehen. Dienstag um 14 Uhr kann ruhig wirken und Freitag um 23 Uhr komplett anders. Die eigentliche Besichtigung ist kurz; die Umgebung bekommt man später jeden Tag mit.
Anmelden, um einen Eintrag zu schreiben.